Die Inkarnation einer Seele in einen Körper und damit in dieses Leben hinein, die Geburt, ist genauso wichtig wie der Moment, an dem der Weg hier beendet ist und die Seele in das Licht des Universums zurückkehrt, das Sterben. Oft hilft es, sich daran zu erinnern, dass beides ganz normale Vorgänge sind und keine Krankheiten.

Da beide Prozesse sich hochkritisch und dramatisch gestalten können, aber nicht müssen, biete ich Ihnen und Ihrem Tier eine liebevolle, aufmerksame und aufmunternde aber auch tatkräftige Begleitung, so dass Sie und Ihr Tier sich in diesen Momenten ganz auf sich selbst, Ihre Gefühlen und Ihre Beziehung konzentrieren können.

Mein Angebot für das schwierige Thema Sterben / der Abschied von Ihrem Tiergefährten: Ich betreue Sie und Ihr Tier in diesem Zeitraum einfühlend, informiere und berate Sie über das was kommt und mögliche nächste Schritte und unterstütze Sie mit meinem Wissen bei schwierigen Entscheidungen.

 

 

Was passiert beim Sterben am Beispiel des Menschen

In enger Anlehnung an die tibetischen Totenbücher teilt Dr. Rosina Sonnenschmidt das Sterben in sechs Wandlungsphasen ein. Sie gibt in ihrem Buch „Exkarnation“ auch viele wertvolle Informationen über homöopathische Hilfen im Sterbeprozess.

Viele Hinweise zu den Sterbephasen gibt auch Sogyal Rinpoche, der Autor von: „Das Tibetische Buch vom Leben und vom Sterben“. Er ermöglicht den westlich geprägten Menschen einen Schlüssel zum tiefen Verständnis vom Leben und vom Sterben.

Die Sterbeforscherin Dr. Elisabeth Kübler-Ross hat in den 1980er-Jahren den Sterbeprozess in fünf Phasen eingeteilt. Diese beschreiben die Gefühlsebenen beim Sterben und sind eng verbunden mit den ersten fünf Wandlungsphasen der tibetischen Tradition.

Die erwähnte Literatur bezieht sich auf den Menschen. Wir können aber annehmen, dass sich der Ablauf auch für unsere Tierfreunde so oder ähnlich ergibt. Nach meiner Erfahrung und durch meine Schulungen durfte ich lernen, dass Tiere oft leichter gehen, da sie in den materiellen Dingen des Lebens nicht so verhaftet sind wie wir und oft eine tiefere spirituelle Einsicht haben. Des weiteren ist beim Tier der Besitzer oft gefordert, den richtigen Moment des Abschiedes zu bestimmen, wenn das Tier mit tierärztlicher Hilfe beim Gehen aus dieser Welt unterstützt werden muss.

Der reale zeitliche Ablauf ist für jedes Individuum auch tatsächlich sehr individuell. Nicht jedes sterbende Wesen durchläuft für uns sichtbar die wellenförmigen Sterbephasen in der Reihenfolge und Intensität, wie sie im Folgenden geschildert sind. Manche Wesen sterben von einer Sekunde auf die andere durch einen Unfall, eine akute Krankheit oder Fremdeinwirkung. Die Einteilung des Ablaufs des Sterbens in 6 Phasen soll bei einem allgemeinen Verständnis dessen, was wir beim natürlichen Sterben beobachten können und für unsere Tiere auch beim Verständnis, ob sie so gehen können bzw. wann äussere Hilfe notwendig ist, helfen.

 

Das schwer kranke oder alte Wesen spürt schon in der ersten Wandlungsphase schmerzlich, dass Bewegung in den Verbund von Körper und Bewusstsein kommt. Menschen können nachts verwirrende Dinge träumen. Der Körper beginnt an seiner Substanz zu zehren. Von Menschen wird berichtet, dass sie sich bei Angehörigen, bei Ärzten und oft auch bei Gott über die Ungerechtigkeit jetzt gehen zu müssen. Kübler-Ross beschreibt diese wichtige Phase für den Menschen mit den Worten Zorn und Auflehnung. Vielfach beginnt der sterbende Mensch jetzt gegen seine Krankheit zu kämpfen.

In Tibet wird der kranke Mensch ermuntert, sich seiner guten Taten bewusst zu werden, um mit Vertrauen an die Sinnhaftigkeit des Lebens auch das Sterben anzunehmen. Man stellt ihm Bilder aus der Blüte seines Lebens neben dem Krankenlager auf. Hier wird nicht über das Leiden und das Sterben gesprochen, vielmehr wird das Gute betont. Denn Sterben wird als Weiterentwicklung und als Weg zur Erleuchtung verstanden.

Die Krankheit, die jeder sieht und wahrnimmt, muss nicht permanent Thema sein. Es ist sinnvoller, den Blick nach innen zu richten, sich bewusst mit seiner Erkrankung auseinanderzusetzen.

In der tibetischen Vorstellung setzt der Sterbende in der zweiten Wandlungsphase die bereits begonnene Umwandlung von seiner Materie in ein größeres Energiefeld fort. Manchmal kann man einem sterbenden Menschen die Abnahme der Substanz am Gesicht an. Er "wird insgesamt weniger", Gesicht und Nase wirken spitz.

Viele Menschen wollen erst gehen, wenn sie noch etwas aus ihrem Leben ins Reine gebracht haben, und rufen dazu (manchmal auf unerklärliche Weise sogar aus dem Koma heraus) nach Angehörigen. Wir sollten die Äußerungen des Sterbenden ernst nehmen und nicht als Hirngespinst abtun, wenn er uns z. B. berichtet, dass er mit verstorbenen Angehörigen gesprochen hat. Nahrungsverweigerung, Todesängste, Angst vor der Dunkelheit und kurzzeitige Bewusstlosigkeit kommen in dieser Phase vor.

Der Stoffwechsel verlangsamt sich, das Blut wird nicht mehr vollständig entgiftet. Dem Körper entströmt ein Acetongeruch. Durch die nachlassende Durchblutung kann sich eine Blaufärbung der Lippen oder des Gesichtes und manchmal auch des Körpers zeigen, Kälte breitet sich aus. Der Mensch ist ausgetrocknet, völlig erschöpft, der Puls extrem schwach. Eine stöhnende Lautäußerung erleichtert und lindert den Schmerz etwas. Die Dauer dieser Phase variiert zwischen einigen Stunden und mehreren Tagen.

Wir können uns und dem Sterbenden – je nach seinem Glauben – spirituell dabei helfen, loszulassen.

Gemäß den tibetischen Totenbüchern spricht man den Sterbenden sanft mit seinem Namen an, sagt ihm, dass man ihn versteht, und spricht Worte wie: „Ich bin bei dir und begleite dich. Geh nur auf das helle Licht zu, das du siehst.“

Die dritte Wandlungsphase ist die Wegscheide zwischen Leben und Tod.

Im Nahtoderlebnis spürt der Mensch einen deutlichen Sog aus seinem Körper heraus. Hier bekommt er gesagt: „Dein irdischer Lebensweg ist noch nicht zu Ende.“ Aber er hat schon gespürt, wie leicht es ohne seinen materiellen Körper sein kann. Es folgt ein letztes Aktivieren der Energiereserven des Sterbenden. Herz und Kreislauf kommen noch einmal auf Hochtouren und ermöglichen ein letztes Aufblühen – ein Zeichen, dass der Tod nahe ist. Es gibt aber auch Menschen, die in dieser Phase der unmittelbaren Nähe des Todes das Krankenzimmer wieder verlassen und noch einige Monate oder Jahre weiterleben. Kübler-Ross nennt diese stark emotional geprägte Phase die Verhandlungsphase. Der Patient verhandelt mit dem Arzt, mit dem Schicksal oder mit Gott über einen Aufschub der Erkrankung. Wir als Begleiter sollten die Strategien und Inhalte des Verhandelns nicht bewerten und nichts belächeln.

Es kann in dieser Phase durchaus zu Spontanheilungen kommen. Wir haben die Wahl zum Heilwerden. Besonders „erfolgreich“ ist es wohl, wenn wir um Zeitaufschub für unsere Nächsten bitten, um z. B. die kleinen Kinder noch großziehen zu können.

In der nächsten Sterbephase kann der Sterbende meist keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen, er verwertet seine Fett-und Eiweißdepots und vergrößert gleichzeitig sein Energiefeld. Das Bewusstsein des sterbenden Menschen muss sich nun verstärkt und auch mühevoll von seinem materiellen Körper lösen. Wir nehmen dann heftige Schüttelkrämpfe, Aufbäumen und Schreie wahr. Dabei werden alle zur Verfügung stehenden Atem-und Körperkraftreserven verbraucht. Das führt dann in die völlige Erschöpfung. Nach Kübler-Ross gibt der Mensch zum Ende dieser von ihr Depression genannten Phase hin den Kampf zur Verdrängung der unvermeidbaren Tatsachen auf. Man kann wahrnehmen, dass sich der Ausdruck der Augen verändert. Sie erscheinen nun glänzend und schauen schon in eine andere Dimension.

Für viele Menschen ist es schwer, sich von den anerzogenen Angstbildern zum Thema Tod zu lösen. Doch bei manch einem verläuft diese Phase auch ganz sanft und friedlich. Dann lächelt er uns vielleicht noch einmal liebevoll an. Andere geben den Kampf bereits in einer früheren Phase auf. Wichtig ist, dass wir als Begleiter da sind und den sterbenden Menschen angstfrei mit der Zusicherung tragen, dass alles, was geschieht, natürlich ist und dass wir ihn auch weiterhin liebevoll begleiten.

Emotional geht es darum, die innere Mitte zu finden, sich dem offenen Weg anzuvertrauen und „Ja“ zum Sterben zu sagen. Kübler-Ross nennt das die Zustimmung. In dieser Phase ist der Sterbende besonders sensibel, er nimmt alles in seinem Umfeld wahr, auch wenn er sich kaum noch äußern kann und will. Am Ende der dritten Wandlungsphase kommt nach dem emotionalen Kraftakt alles zur Ruhe.

Die vierte Wandlungsphase entspricht der Ruhe nach dem Sturm. Die Materie nimmt deutlich ab und das Energiefeld nimmt deutlich zu. Der Patient spricht jetzt nicht mehr. Sein Körper fühlt sich immer empfindungsloser, ausgetrocknet und leer an. Der Sterbende möchte nichts mehr trinken, aber das Anfeuchten der Lippen ist ihm noch angenehm. Der Körper schrumpft weiter in sich zusammen und wird völlig unwichtig.

Die Sinne des Sterbenden richten sich ganz auf die körperlose Dimension aus. Jetzt kommen alle Körperfunktionen zur Ruhe. Der letzte Atemzug und der letzte Herzschlag zeigen den Gipfelpunkt des Sterbevorgangs an. Das Bewusstsein hat sich nun für den Weg zum Licht entschieden. Hier bei uns bleibt nur die alte Hülle zurück.

Wir können in diesem Moment erahnen, dass Sterben – so wie das Geborenwerden – nur ein großer Wandel ist. Es ist ein hoher, spiritueller Moment, der größer ist als unser Schmerz darüber, einen lieben Menschen nicht mehr körperlich bei uns zu haben. Den begleitenden Menschen bleibt jetzt nur noch, den sterbenden Menschen der Weisheit der Natur oder einem Höheren anzuvertrauen. Nach einem Gebet ist meist die schlimmste erste Anspannung bei den Anwesenden gelöst. Wir können auch frei gute Wünsche für die Reise formulieren und dem Verstorbenen von Herzen danken für die gemeinsame Zeit. Und wir können ihm sagen: „Verzeih mir, was in unserem Leben vielleicht nicht gelungen ist.“ Die Loslösung des Bewusstseins vom materiellen Körper ist für uns nicht sichtbar, aber einige Sterbebegleiter berichten, dass sie es spüren konnten und nach oben schauten. Das Bewusstsein weitet sich, sobald es sich vom Körper gelöst hat, und führt zu einem pulsierenden Eindruck von Energie. Das wird von vielen Angehörigen als ein Engegefühl im Raum wahrgenommen – sodass manche das Gefühl haben, ein Fenster öffnen zu müssen. Besonders wenn sich niemand spirituell um den Sterbenden und auch den verstorbenen Menschen kümmert und ihn niemand verabschiedet hat, haben Umstehende manchmal den Eindruck, dass das Bewusstsein noch längere Zeit wehenartig zu seinem abgelegten Körper hin- und wieder wegschwingt.

In den tibetischen Totenbüchern wird Wert auf das Verebben des inneren Atems gelegt. Ein oder zwei Stunden in Frieden und Harmonie bei dem gerade Verstorbenen zu wachen, kann den Lebenden Trost und Heilung und dem Verstorbenen die Möglichkeit geben, seine letzten Schritte der Ablösung in Ruhe und Frieden geschehen zu lassen. Die erhöhte Energie im Sterbezimmer ermöglicht manchmal hellsichtige Wahrnehmungen bei den Anwesenden.

Ist der Tod eines Menschen eingetreten, ist es das Wichtigste, zunächst einmal Ruhe zu bewahren. Vielleicht möchte der begleitende Mensch eine Freundin oder einen Freund anrufen, um nicht allein zu sein. Dadurch kann sich die Situation beruhigen und wir können die Stille und die Besonderheit des Todes wahrnehmen.

Wenn es möglich ist, kann man bewusst eine Kerze anzünden als Zeichen der Sammlung und der Hoffnung. Wir können damit deutlich machen, dass hier eine ganz besondere Stunde anbricht in unserem Leben und für den Menschen, der gerade von dieser Welt gegangen ist.

In dieser Zeit berühren die Buddhisten den Verstorbenen zunächst nicht, um der Seele einen ungehinderten Austritt aus dem Körper zu ermöglichen.

Wir als Begleiter werden die Gefühlsäußerungen der Angehörigen liebevoll begleiten und sie nicht wegzerren oder beschwichtigen, wenn sie ihre Gefühle zeigen. Wenn ein Mensch verstorben ist, muss seine Versorgung genauso wie bei der Pflege des Sterbenden in Achtung seiner Würde und seiner Persönlichkeit geschehen. Alle Handlungen am Verstorbenen sollten in Ruhe und nicht routiniert oder hastig ausgeführt werden.

Suchen Sie sich einen sensiblen Bestatter, der Ihnen alle Zeit lässt, die Sie brauchen, um sich von Ihrem Verstorbenen zu verabschieden. Wenn Sie es möchten, unterstützt er Sie beim Waschen und Ankleiden des Verstorbenen.

Die Zeit am Totenbett eines gerade Verstorbenen ist viel zu kostbar, um ihn in unnützem Aktionismus sofort aus seinem Wohnbereich herauszureißen. Lassen Sie sich Ihre Verstorbenen nicht sofort wegnehmen.

Die praktische Sorge um den Verstorbenen ist eine außerordentlich bereichernde Tätigkeit, die viel Liebe von ihm, mit dem wir achtsam umgehen, zu uns zurückbringt. Wir müssen seinen Körper so betten, wie wir nach unserem eigenen Tod gebettet werden möchten.

Man kann die Dankbarkeit eines Verstorbenen deutlich spüren, wenn man seine sterbliche Hülle würdevoll aufgebahrt hat. Liebe ist bei Lebenden wie bei Verstorbenen das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn wir es verschwenden (frei nach Ricarda Huch). Ebenso spüren wir es, wenn ein Mensch lieblos, unachtsam oder angewidert mit einem Verstorbenen umgeht. Meist hat dieser Mensch Angst vor dem eigenen Tod und damit auch Angst vor den Verstorbenen.

Die Kultur der offenen Aufbahrung zeigt uns nicht nur unsere Vergänglichkeit, sie zeigt auch die Würde und Achtung der Lebenden, die sie dem Leib des Verstorbenen, der entseelten Hülle entgegenbringen.

In einigen Orten ist es noch üblich, in den Tagen bis zur Beisetzung die Totenwache zu halten. Das Wort „wachen“ macht deutlich, dass es hier um mehr geht, als bloß auf den verstorbenen Körper aufzupassen. Es geht um die Totenfürsorge, das Gebet für die Seele, sodass sie bestmöglich den Weg ins Licht findet und nicht umherirrt.

Es ist ein tröstliches Gefühl, wenn man erleben kann, dass trotz allem Leid der Mensch im letzten Moment heil von dieser Erde geht und seine leere Hülle mit all seinen Schmerzen, Gebrechen und Fehlern entspannt und friedlich hier zurücklässt. Wir werden von dem Verstorbenen beschenkt, wenn wir an seiner Wandlung teilnehmen dürfen.

Die fünfte Wandlungsphase folgt meistens nahtlos. Es gibt jetzt keine äußerlich sichtbaren Lebenszeichen mehr. Der Herz- und Atemstillstand ist bereits festgestellt. Die Tibeter berichten jedoch, dass es eine längere Zeit braucht, bis auch der „innere Atem“ zum Stillstand kommt. Damit sind der ausklingende Prozess der Zellatmung und der versiegende Energiefluss in den Meridianen gemeint. Die vollkommene Trennung unseres Bewusstseins von unserem materiellen Körper ist noch nicht restlos vollzogen. Das Gefühl, im Körper sei noch Leben, haben wir noch einige Zeit lang. Stellten wir einen Vergleich mit der Geburt her, so wäre das Kind nicht mehr im Mutterleib, aber über die Nabelschnur noch mit seiner Mutter verbunden. Viele Menschen spüren die feine und hohe Energie des gerade Verstorbenen in dieser noch sehr lebendigen Zeit.

Die Tibeter nutzen diese Wandlungsphase als Zeit der Totenwache, die drei bis vier Tage andauert. Danach wird für einen Zeitraum von 49 Tagen regelmäßig im Haus des Verstorbenen meditiert. Denn es ist klar, dass nach dem Sterben keine Raum- und Zeitbegrenzung mehr für den Verstorbenen besteht. Auch in unserer Kultur ist die Totenwache tief verwurzelt, aber leider vielfach in Vergessenheit geraten. Dabei ist das achtsame Verweilen beim Verstorbenen eine bereichernde Zeit des echten Abschieds. Hier können gemeinsame Erinnerungen ausgetauscht, hier kann alles Unausgesprochene noch gesagt oder einfach nur gedankt werden. Diese Zeit ist ein besonderes Geschenk des Lebens, das wir annehmen sollten.

Unser Bewusstsein, unsere Seele, bleibt mit all ihrer Weiterentwicklung, die wir auf dieser Welt erfahren haben, nach unserem irdischen Tod unverlierbar und spürbar als ein geschlossenes Energiefeld zusammen. Das Universum verliert nichts.

Die fünfte Wandlungsphase ist abgeschlossen, wenn der letzte Kontakt des Bewusstseins vom Körper gelöst ist. Dann haben wir auch den klaren Eindruck, dass jetzt nur noch eine leere, sichtbar geschrumpfte Hülle vor uns liegt. Eine Hülle, die aber immer noch eine Würde hat. Eine Würde, die daher rührt, dass sie lange Jahre unser Bewusstsein – den heiligen Kern in uns – bewahrt hat. Diese Ausstrahlung von Würde bleibt noch für einige Tage fühlbar und verliert sich dann zusehends. Für uns als Begleiter bleibt nur, dem Verstorbenen zu sagen, dass er nun in einer anderen Welt ist, und wir können ihn ermuntern, dort seinen Weg zu gehen.

Wenn die fünfte Wandlungsphase vorüber ist und der Verstorbene zwei, drei Tage später im „guten Anzug“ in der Friedhofskapelle aufgebahrt liegt, sehen die Angehörigen, die erst jetzt zu einem Abschied Zeit gefunden haben, eine leblose, leere Hülle vor sich. Sie schauen auf die eigene Vergänglichkeit, auf den eigenen Tod, und sind vielfach von Angst und Hoffnungslosigkeit wie gelähmt. Wenn wir uns dagegen in guten Tagen mit dem Sterben der Menschen beschäftigen, am Sterben direkt Anteil nehmen und bei dem gerade Verstorbenen wachen, kann uns dadurch viel Trost und Hoffnung zuteilwerden.

Die Tibeter haben ein zyklisches Verständnis vom Leben und vom Sterben. Sie glauben, dass wir nach dem Sterben wiedergeboren werden, dies ist die sechste Wandlungsphase. Und dass wir in einem neuen Körper neue Erfahrungen machen. Das kann man so stehen lassen, denn jeder hat seine eigenen Vorstellungen für die Zeit nach dem Versterben. Was ist in der Phase nach dem Sterben eines Menschen noch möglich? Die Tibeter erweisen den Verstorbenen über 49 Tage hinweg die Ehre, indem sie in seinem Haus einen Altar für ihn bauen und ihn dort verehren. Sie bieten ihm orangefarbene Tücher und Blumen dar und begleiten ihn mit Gebeten auf seinem neuen spirituellen Pfad. Der Verstorbene wird meist eingeäschert und die Asche der Natur zurückgegeben, deshalb bleibt zum besonderen Gedenken nur das Haus, in dem der Verstorbene den größten Teil seines Lebens verbracht hat. Wir haben im Westen andere Formen der Erinnerung, die wir auch nutzen sollten, um dem Verstorbenen auf seinem neuen Weg spirituelles Geleit zu geben.

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Oktober 2019